Wilson mit dem Computer-Gen

Autor_MiniPicSchon als Kind wurde Wilson Ndlovu magisch von allem angezogen, was Tasten hatte. Er wollte genau wissen, wie ein Fernsehgerät oder eine Stereoanlage funktionierte, man sah ihn ständig mit einer Fernbedienung in der Hand und er machte ein Riesengeschrei, wenn jemand sie wegnehmen wollte. Auch, wenn die anderen Kinder draußen spielten, blieb Wilson am liebsten in der Wohnung, hörte Musik oder sah fern.

Wilson stammt aus Bulawayo, einer Stadt in Simbabwe. Als seine Eltern starben und keine Verwandten da waren, bekam er im SOS-Kinderdorf seiner Heimatstadt ein neues Zuhause. Bald machte er seine ersten Erfahrungen mit Computern und entwickelte seine Faszination für Maschinen. Egal, wen man damals gefragt hätte: Jeder hätte darauf gewettet, dass der Junge einmal Automechaniker, Ingenieur oder Computerfachmann werden würde.

Wilsons andere große Leidenschaft waren Bücher. Kein Tag verging, an dem er nicht in der Bibliothek war. Die Bibliothekarin erinnert sich: „Ich werde diesen Jungen nie vergessen! Jeden Tag, wenn wir um Drei Uhr nachmittags zusperren wollten, mussten wir ihn suchen. Meist hatte er sich irgendwo hinter einem Stapel Bücher versteckt.“ Kein Wunder, dass er in der Grundschule die besten Noten hatte. Glücklicherweise fand er dort Freunde mit ähnlichen Interessen.

Dann, als Wilson 16 Jahre alt war, starb seine jüngere Schwester Buhle – für Wilson ein großer Schock. Für die Schule zu lernen erschien ihm plötzlich sinnlos. Um sich von seinem Schmerz abzulenken, begann er, mit einer Gruppe älterer Jungs abzuhängen und schlechte Gewohnheiten zu entwickeln.

Im Kinderdorf betrachtete man seine Veränderung mit großer Sorge. Keiner konnte ihn mehr erreichen. Eine der SOS-Mütter erinnert sich: „Es war schrecklich mit anzusehen, wie sich dieser brillante, hochbegabte Junge plötzlich in einen wütenden Hooligan verwandelte.“

Dennoch gab man Wilson nicht auf. 2002 drängten ihn die Kinderdorf-Mitarbeiter, an der Aufnahmeprüfung für das SOS-International-College in Ghana teilzunehmen. Anfangs weigerte er sich, schließlich lenkte er ein – und wurde angenommen!

Wilson hat es geschafft!

Wilson hat es geschafft: Er gilt als einer der besten Software-Ingenieure Johannesburgs.

Widerstrebend verließ er seine Heimat Simbabwe und zog nach Ghana. Im Rückblick war dies der entscheidende Schritt. Auch sein älterer Bruder war vor einiger Zeit auf dem College angenommen worden und wurde nun für Wilson zu einem wichtigen Bezugspunkt. Der junge Mann begann, hart zu arbeiten, in seinem zweiten Jahr spezialisierte er sich auf Computerwissenschaften und programmierte erste kleine Webseiten und Spiele. Das alte Feuer kam zurück. 2007 gewann er den Preis als bester Programmierer seines Schuljahrgangs und seine Noten waren so gut, dass er ein Stipendium für die Ashesi Universität in Ghana bekam. 2011 verließ er die Uni mit exzellentem Abschluss.

Dennoch war es nicht leicht, einen Job zu finden. Als Staatsbürger Simbabwes brauchte er eine Arbeitserlaubnis, um in einem der Nachbarstaaten arbeiten zu können. Sein Traum war, nach Südafrika zu gehen. Während sein Antrag bearbeitet wurde, übernahm Wilson Gelegenheitsjobs. Schließlich, 2012, bekam er das ersehnte Schritstück. Mit seinem gesparten Geld bezahlte er die Busfahrt nach Johannesburg. Und begann sein Leben.

Heute arbeitet Wilson als Software-Ingenieur und Techniker – und gilt als einer der besten seiner Branche in Johannisburg. Und: Es gibt eine Frau in seinem Leben, die es sogar schafft, ihn hin und wieder von seinen Computern abzulenken. In einigen Monaten möchten die beiden heiraten.

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