Die Geschichte umschreiben

Autorenbild_Libertad_deutschOktober 2003: Tausende von Menschen sind auf den Straßen der Stadt El Alto in Bolivien. Ihre Stimmen, ihre Rufe sind laut. Ihr Protest richtet sich gegen die Ausbeutung der Gasvorkommen Boliviens, und schließlich leiten die Demonstranten eine neue Ära ein:  Präsident Lozadas wird des Landes verwiesen und der Weg für eine neue sozialistische Regierung wird geebnet. Und El Alto, eine der ärmsten Städte des Landes, hat mit diesem Protest ein Gesicht bekommen – in Bolivien und in der Welt.

Sieben Jahre später, im Jahr 2010, gehen die Menschen von El Alto wieder auf die Straße. Diesmal sind es Mütter und Väter, die ihre Empörung in die Öffentlichkeit bringen. Sie tragen Plakate mit der Aufschrift: „Die Rechte unserer Kinder sind nicht verhandelbar!“

demo

„Respektiert die Rechte unserer Kinder!“ Mit dieser Botschaft gingen Eltern 2010 auf die Straße.

Der Hintergrund: Die Vorsteher des Viertels, in dem das Sozialzentrum der SOS-Kinderdörfer liegt, haben beschlossen, das SOS-Zentrum für sich zu beanspruchen, da sie dringend Räumlichkeiten brauchen. Dass die Einrichtung seit fünf Jahren Präventationsarbeit leistet, um zu verhindern, dass Kinder von ihren Eltern verlassen werden, ist den Vertreibern nicht bewusst. Mehr als 1000 Kinder unter sechs Jahren sind betroffen.

SOS-Plakat

Der Protest richtete sich gegen die Schließung eines SOS-Sozialzentrums.

Aber nicht nur die betroffenen Familien gehen auf die Straße, sondern mit ihnen viele weitere aus insgesamt 38 Kinderhilfseinrichtungen der Stadt. So entwickelt sich der Protest gegen die Schließung eines einzelnen Sozialzentrums in Kürze zu einer Bewegung für die Kinderrechte. Politiker und Wirtschaftsvertreter hören den Protestanten zu und nach nur einer Woche kann das SOS-Sozialzentrum wieder eröffnen. Für die Menschen hat dieser Erfolg auch einen hohen symbolischen Wert: Sie selbst haben ihr Recht auf ein besseres Leben wahrgenommen! Sie waren es, die die entscheidende Veränderung herbeigeführt haben. Im Zuge dessen beginnt ein Dialog mit der Gemeinde und den Politikern, ein weiterer Schritt in eine gute Richtung.

Modell

Oktober 2014: Gemeinsam feiern Politiker, Vertreter der SOS-Kinderdörfer und viele Familien die Eröffnung einer Kindertagesstätte mit Modellcharakter.

 

Oktober 2014: Wieder gehen die Menschen in einer Gemeinde El Altos auf die Straße, aber diesmal ist die Stimmung eine ganz andere: Kinderlachen ist zu hören, der Aufmarsch ist farbenfroh und fröhlich. Gemeindevertreter, Nachbarschaftsvorstände, Vertreter der SOS-Kinderdörfer und viele Familien feiern gemeinsam die Eröffnung einer neuen Kindertageseinrichtung, die Familien in Not unterstützen soll.  Die Einrichtung hat Modellcharakter und wird in den ersten sieben Jahren von Mitarbeitern der SOS-Kinderdörfer begleitet. Die Freude aller Anwesenden ist groß und gemeinschaftlich.

Geschichte kann umgeschrieben werden! Dies ist möglich durch Lernen, durch unser tägliches Handeln, eine Veränderung des Bewusstseins, unserer Vorstellungen und Überzeugungen. So entsteht aus unserem eigenen Handeln heraus ein neuer Weg der Fürsprache, der Anwaltschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.