Bildungschancen gerecht verteilen! SOS-Petition

Unser Land ist jung. Nach aktuellen Statistiken sind 2 534 394 Menschen in Autorenbild_Libertad_deutschBolivien zwischen 16 und 28 Jahren alt. In vielen Ländern ist diese Altersgruppe besonders von Arbeitslosigkeit betroffen, so auch bei uns: Während die allgemeine Arbeitslosenquote bei 8,2 Prozent liegt, ist sie in Bezug auf die jungen Menschen fast doppelt so hoch (14,5 Prozent). Generell sind Frauen stärker betroffen als Männer. Und auch diejenigen, die einen Job bekommen, haben es nicht unbedingt leicht. Oft sind diese ersten Anstellungen gering bezahlt und bieten keine Sicherheit.

Gärtner

Im SOS-Ausbildungszentrum Cochabamba erwerben junge Menschen das Know-ow, um zum Beispiel als Gärtner arbeiten zu können…

Erst kürzlich war in der Zeitung wieder zu lesen, mit welchen Themen junge Leute zu tun haben. Viele erzählen, dass zum Beispiel akademisches Wissen kaum von Wert sei. Viel wichtiger sei den Firmenchefs, dass jemand Erfahrung mitbringe, zwei Jahre Minimum – nur, woher nehmen, wenn man gerade aus der Ausbildung kommt?  So sind es oft die persönlichen Beziehungen, die weiterhelfen. Wer keine hat, hat ein Problem!

Javier, ein junger Mann, der Rechnungsprüfung studiert hat, sagt, dass er an der Uni gerade mal die Grundlagen gelernt habe. „Wenn du wirklich eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben willst, musst du privat Extra-Kurse besuchen.“ Raúl, ein anderer junger Mann, kritisiert, dass kaum noch jemand ein Studium anhand seiner Interessen und Begabungen wähle. Meist spielen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt die größte Rolle.

Bäcker

… oder auch als Bäcker oder Koch. Manche Lehrlinge machen sich anschließend selbständig, andere finden eine Anstellung.

Ohne Hilfe sind sie oft chancenlos!

Wenn schon diese jungen Leute, die verhältnismäßig wohlhabend bei ihren leiblichen Eltern aufgewachsen sind, solche Schwierigkeiten haben, wie sieht es dann bei denen aus, die diese Möglichkeit nicht hatten?

In all unseren Programmen zur Familienstärkung unterstützen wir junge Menschen dabei, die nötigen Fähigkeiten zu erwerben und einen Job zu finden. Ohne Hilfe sind sie oft chancenlos!

Ich bin wirklich froh, sagen zu können, dass die allermeisten der 539 jungen Menschen, die in den SOS-Kinderdörfern aufgewachsen sind, gut im Leben stehen. Bereits drei Jahre, bevor sie das Kinderdorf verlassen, fangen wir damit an, sie auf ihr eigenständiges Leben vorzubereiten. Für mich ist es ein Indiz für Selbständigkeit, ob jemand in der Lage ist, sich aus eigenen Kräften zu finanzieren – natürlich unter der Voraussetzung, dass er auf dem Arbeitsmarkt überhaupt eine Möglichkeit bekommt.

junge Frau

Auch auf die Unterstützung junger Frauen legen wir großen Wert. Für sie ist die Situation oft besonders schwierig.

Ein Großteil unserer jungen Leute hat den mittleren oder gehobenen Abschluss gemacht. Die allermeisten Abgänger machen eine technische Ausbildung, andere studieren, andere beginnen früh zu arbeiten. So gut wie alle haben mit unserer Unterstützung Jobs gefunden. Einfach ist die Arbeitswelt aber auch für sie nicht.

Carlos kommt aus einer SOS-Familie in Santa Cruz. Seinen ersten Job hatte er in einer Dekorationsfirma, wo er Möbel schleppen musste. Anschließend hat er in einem Supermarkt, später als Maurer gearbeitet. Mithilfe eines Bankkredites hat er ein Studium an einer Privat-Universität begonnen, um Management zu studieren. Ende des Jahres wird er fertig sein. Auch während seiner Studienzeit arbeitet Carlos weiter, als Boxer, als Taxifahrer. Ich bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird – aber was für ein Kraftakt!

Elva, eine junge Frau aus dem SOS-Kinderdorf, hat eine Ausbildung zur Kauffrau gemacht. In ihrer ersten Anstellung hat sie als Kassiererin gearbeitet. „Dabei habe ich Buchhaltung und den Umgang mit Kunden gelernt“, sagt sie. Ihr Wissen aus dem Studium konnte sie bislang kaum anwenden.

Es gibt tolle Konzepte, aber die Realität ist oft weit davon entfernt

Es gibt tolle Konzepte, die sogar in unseren Gesetzen festgelegt sind. Demnach ist es Aufgabe des Staates, den jungen Menschen Arbeitsplätze zu garantieren. Die Realität ist weit davon entfernt. Auch das Arbeitsministerium hat sich ein schönes Programm ausgedacht, mit dem Arbeitsplätze im öffentlichen wie im privaten Sektor geschaffen wurden, auch für Berufsanfänger – allerdings nur, wenn diese sieben Jahre Erfahrung mitbringen…

Dieses Paradox zeigt ganz gut, dass wir es hier mit einem strukturellen Problem zu tun haben. Solange wir uns dieses nicht genau anschauen, werden die jungen Menschen nicht zu ihren Rechten kommen. Jeder sollte Zugang zu guter Bildung und Ausbildung erhalten und die Möglichkeit haben sich weiterzubilden, auch ohne vermögend zu sein. Bildungschancen müssen gerecht verteilt sein und dürfen nicht von der Herkunft oder vom Einkommen abhängig sein!

Mach mit und unterzeichne die Petition der SOS-Kinderdörfer weltweit!

Zum 1.November haben die SOS-Kinderdörfer weltweit eine Petition für einen Ausbildungs- und Beschäftigungspakt gestartet. Ziel ist es, junge Menschen weltweit für die Bedürfnisse der lokalen Arbeitsmärkte zu qualifizieren und Arbeitsplätze zu schaffen. 

Unterstütze die Petition, damit Politik und Wirtschaft ihrer Verantwortung in armen Ländern gerecht werden und Armutsmigration verhindert wird!

Weitere Informationen: www.sos-petition.de

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