Milan – wie ich wurde, wer ich bin

Als ich Milan fragte, ob ich einen Text über ihn schreiben dürfe,Katerina aus Mazedonien wunderte mich die Antwort nicht: Gerne, aber noch lieber wolle er selbst von sich erzählen. Das ist so typisch für ihn – ich willigte mit Freude ein. Milan hat einfach viel zu sagen. Hier seine Geschichte:

„Ich heiße Milan Todorovic, bin 21 Jahre alt, studiere Wirtschaft und bin Gründer und Präsident von Nautilus, einer Bosnischen Jugendorganisation. Nautilus unterstützt junge Menschen. Wir möchten ihnen dabei helfen, ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und ihre Rechte auszubauen. Das gilt vor allem auch für diejenigen, die in Pflegefamilien oder Heimen aufgewachsen sind. Wir möchten sie ermutigen: Engagement lohnt sich!

Milan

Im SOS-Kinderdorf hat Milan gelernt, sich einzusetzen: für seine eigenen Interessen und die der Gemeinschaft.

Ich betrachte mich selbst als ambitionierten und begabten Menschen. Ich weiß, dass es an mir liegt, mein Leben zu gestalten. Gleichzeitig gibt es mir unglaublich viel Kraft, eine starke Gemeinschaft hinter mir zu wissen. Beides habe ich im SOS-Kinderdorf Sarajewo erlebt. Es sind die Grundpfeiler meines Lebens.

Als ich drei Jahre alt war, haben meine Eltern mich und meine kleine Schwester verlassen. Wir kamen zu unserer Großmutter, die aber zu alt und schwach war, um sich um uns zu kümmern. Schweren Herzens gab sie uns in ein Waisenhaus. Danach kam meine Schwester in ein Heim für Kinder mit Behinderung und ich kam ins SOS-Kinderdorf Sarajevo.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag meiner Ankunft. Meine SOS-Mutter erwartete mich schon zusammen mit meinen SOS-Geschwistern. Während sie sich vorstellten, dachte ich an meine kleine Schwester und fing an zu weinen. Es war hart für mich und ich versuchte sogar wegzurennen. Ich wollte zurück zu all dem, was ich kannte.

Meine Mutter Amira half mir dabei, meine Ängste und Traurigkeit zu überwinden. Ihre Geduld und ihre bedingungslose Liebe veränderten mich: Ich wurde ein fröhliches Kind. Während meiner Kindergarten- und Grundschulzeit war es der schönste Moment jedes Tages, wenn meine Mutter mich am Abend in den Arm nahm.

Trotzdem fiel mir die Schule anfangs nicht leicht. Meine Mutter tat alles um mir zu helfen, sie lernte mit mir und wir setzten sogar Verträge auf, in denen wir gemeinsam Lernziele festlegten.

Eine Gemeinschaft braucht starke Persönlichkeiten

Nach der Grundschule ging ich auf eine weiterführende Schule mit Schwerpunkt Kochen. Ich zog ins SOS-Jugendhaus, wo ich in den Beirat gewählt wurde. Gleich an meinem ersten Tag in diesem Amt schrieb ich die Ziele auf, die ich erreichen wollte. Ich dachte dabei an meine Mutter, ich wollt sie stolz machen. Ich schloss die Schule mit Bestnoten ab.

Nautilus

Milan und seine Mitstreiter bei Nautilus setzen sich für Versöhnung und für die Rechte junger Menschen ein.

Auch später, auf der High School, war meine Mutter immer unsichtbar anwesend. Ich dachte daran, wie sie mich immer ermutigt hatte, mich anzustrengen und meine Chancen zu nutzen, also schrieb ich mich jetzt in möglichst viele Kurse ein, arbeitete ehrenamtlich bei Hilfsorganisationen mit und nahm viele Ferienjobs an. Ich behielt diese Haltung, als ich schließlich begann, Wirtschaft zu studieren, beschäftigte mich intensiv mit den Themen und je tiefer ich einstieg, desto spannender fand ich alles. Ich habe inzwischen zwei Business-Pläne geschrieben, die ich nach der Uni unbedingt umsetzen möchte.

Ich bin zuversichtlich, dass ich später einmal einen guten Job finden und ein komfortables Zuhause haben werde – aber es geht ja um mehr im Leben. Während meiner Kindheit im SOS-Kinderdorf war es für mich so spürbar, wie kraftvoll es ist, als Teil einer Gemeinschaft heranzuwachsen. Ich wurde beschützt, unterstützt, umsorgt. Und ich spürte, wie sehr eine solche Gemeinschaft von starken Persönlichkeiten getragen werden muss. Hier wollte ich mich engagieren.

Es verstörte mich regelrecht zu sehen, dass andere junge Menschen in meinem Land nicht so dachten: Viele, die ich traf, kümmerten sich praktisch gar nicht um ihre Zukunft, waren desillusioniert, hatten keine Visionen. Ich war frustriert: Das war nicht die Gesellschaft, in der ich leben wollte.

So gründete ich Nautilus – in der Hoffnung, hier etwas zu ändern.

In der nächsten Woche erzählt Milan weiter: Welche Projekte hat Nautilus bereits ins Leben gerufen? Welche Ziele möchte die Organisation erreichen?

2 Antworten auf Milan – wie ich wurde, wer ich bin

  1. Was für ein wundervoller Mensch! Weiter so… Ich bin sicher dass du auf dem richtigen Weg bist und viel erreichen kannst. Nur nicht aufgeben!

  2. Pingback: Milan – wie ich die Gesellschaft verändern möchte | Zuhause in der Welt | Blog der SOS-Kinderdörfer aus aller Welt

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