Nichts mehr wert!

Um die Korruption zu bekämpfen, greift der indische Premierminister Modi zu einer überraschenden Maßnahme. Über Nacht wird die Währung reformiert.

Als Narendra Modi, der indische Premierminister, am 8. November Tsering Dolkar aus Indienabends um acht seine Rede hielt, ging eine Schockwelle durchs Land. Die Ansprache wurde live im Fernsehen übertragen. Modi holte zu einem großen Schlag gegen den Schwarzmarkt und terroristische Aktivitäten in unserem Land aus. Er traf dazu eine drastische, für alle überraschende Entscheidung: Der Premierminister erklärte die großen indischen Geldnoten 500 sowie 1000 Rupien ab Mitternacht für wertlos!

alte Geldnoten

Nur noch Papier: Die großen indischen Geldnoten wurden über Nacht wertlos.

Es ist lange bekannt, dass Schwarzmarkthändler und Kriminelle an der Steuer vorbei Bargeld in Millionen- und Milliardenhöhe horten und damit ihre illegalen Geschäfte betreiben. Aber natürlich war die Nachricht auch ein Schock für viele redliche Bürger. So gut wie jeder hat etwas Bargeld für Notfälle zur Seite gelegt. Im ersten Moment waren wir alle völlig ungläubig: Das kann Modi doch nicht ernst meinen? Aber er meinte es so – ein Schritt von historischem Ausmaß.

Der Premierminister beteuerte, dass ehrliche Bürger sich keine Sorgen machen müssten. Für eine Übergangszeit würden die 500er- und 1000er-Scheine weiterhin in Krankenhäusern, an Tankstellen, staatlichen Schulen, für Bahn- und Flugreisen akzeptiert. Außerdem könnten die Geldscheine bis zu einer Höhe von 2000 Rupien, etwa 28 €, pro Woche an jeder Bank- oder Postfiliale gegen neue eingetauscht werden. Abgesehen davon habe jeder die Möglichkeit, bis Ende des Jahres eine Summe von bis zu 250 000 Rupien (ca. 3500 €) in alten Scheinen auf sein Bankkonto einzuzahlen, ohne dafür eine Strafe zu bekommen oder nachträglich Steuern zahlen zu müssen. Gleichzeitig setzte der Premierminister fest, dass nur noch Summen bis maximal 20 000 Rupien (ca.280 €)  Bargeld pro Woche abgehoben werden dürfen.

Schlange

Um ihre alten Scheine gegen neue einzutauschen, müssen die Menschen stundenlang Schlange stehen.

Ein Monat ist seitdem vergangen und noch immer stehen die Menschen Tag für Tag in langen Schlangen vor den Banken und warten oft ewig, bis sie an der Reihe sind. Es sind sogar Leute gestorben, die das lange Stehen gesundheitlich nicht verkraftet haben.

Seit der Geldentwertung nutzen immer mehr Menschen Kreditkarten und Online-Banking – auch das ist eines von Modis Zielen: das digitale Indien. Gleichwohl bleiben Fragen offen: Was ist mit denen, die nicht mal ihren Namen schreiben können? Und mit denen, die kein Bankkonto haben? Nach wie vor spielt in Indien Bargeld eine große Rolle und viele Händler akzeptieren keine Kreditkarten. So habe auch ich mich an einem Tag in eine endlos lange Reihe gestellt, um altes Geld einzuzahlen und neues abzuheben. Ein zweites Mal werde ich das sicher nicht tun, dazu fehlt mir die Energie. Mal schauen, wie lange es noch dauert, bis sich die Dinge wieder normalisiert haben.

Gandhi

Die 2000 Rupien-Note wurde neu eingeführt.

Eine gute Sache, die Modis Währungsreform bereits bewirkt hat: In Kashmir ist es zu keinen neuen Gewaltausbrüchen gekommen. Seit Monaten waren Jugendliche dort auf die Straßen gegangen und hatten für die Unabhängigkeit von Indien protestiert. Immer wieder war es dabei zu massiven Zusammenstößen mit der Polizei gekommen.

Viel ist in diesem Monat diskutiert worden und wie so oft gibt es keine einfache Lösung. Aber die Stimmung ist verhalten optimistisch und die Hoffnung groß, dass die Korruption in Indien  eingedämmt wird. Der Premierminister hat hier ein deutliches Zeichen gesetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.