Karneval in Brasilien: Nicht auf Kosten der Kinder feiern

Der brasilianische Karneval, der in diesem Jahr  vom 25. bis zum 28.Februar Rodrigo_MiniPicgefeiert wird, ist definitiv eines der größten und wichtigsten Feste unseres Landes. Seine Ursprünge gehen zurück auf die Zeit der Kolonialisierung, im 19. Jahrhundert wurde der Karneval dann immer populärer.

Karneval Brasilien

Ein typisches Kostüm aus Pernambuco im Nordosten Brasiliens.

Der Karneval gibt ein prunkvolles Bild ab: In den phantasievollen Vorstellungen und Samba-Tänzen zeigt sich unser Land, es werden die unterschiedlichen Traditionen und Bräuche sichtbar. Die Festivitäten, bei denen die Menschen im ganzen Land auf die Straße gehen, verbinden Arm und Reich. Es wird ausgelassen gefeiert, eine Pause vom Alltag genommen und humorvoll und kreativ gegen Vorurteile, Diskriminierung oder für bessere Lebensbedingungen protestiert.

Gewalt gegen Kinder

Aber mitten in all den Vergnügungen kommt es immer wieder zu Gewalt gegen Kinder. Häufig läuft diese nahezu unsichtbar ab. Ich spreche von Kinderarbeit oder sexuellen Übergriffen.

Kinderrechte

Im Südosten Sao Paulos setzt sich der Eureka-Block für die Rechte von Kindern ein.

Nach Aussage einer Sonderabteilung  für Menschenrechte, die dem brasilianischen Präsidentenamt untersteht, nimmt die sexuelle Gewalt gegen Kinder, auch im Zusammenhang mit Sextourismus, während der Karnevals-Zeit um mindestens zwanzig Prozent zu. Gleiches gilt für die Kinderarbeit.

Offizielle Zahlen gehen davon aus, dass es pro Tag zu fast 50 Fällen sexuellen Missbrauchs kommt. Nach unseren Befürchtungen, die wir mit anderen Kinderhilfsorganisationen teilen, ist die tatsächliche Zahl deutlich höher, wir vermuten, um ein Zehnfaches. Denn erfasst werden nur die Fälle, die von jemandem beobachtet und der Polizei gemeldet werden. Es gibt in Brasilien einen anonymen Telefonservice, über den jeder Missbrauchsfälle melden kann, ohne dass sein Name erfasst wird, aber zahlreiche Fälle kommen nie an die Öffentlichkeit.

Kampagne

Unsere Kampagne: „Während des Karnevals werden täglich 47 Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs. Zusammen können wir etwas dagegen tun!“

Die SOS-Kinderdörfer in Brasilien haben deshalb in diesem Jahr eine Kampagne gestartet, um die Menschen aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren – ein wichtiger Schritt, um möglichst vielen Kindern helfen zu können. Parallel dazu haben wir eine Online-Petition gestartet (unser Ziel ist es, mindestens 10 000 Stimmen zu bekommen), mit der wir von der Regierung reelle Daten zum Thema „Gewalt gegen Kinder“ einfordern. Nur auf Basis einer genauen Analyse können adäquaten Schritte eingeleitet werden, um das Problem wirkungsvoll zu bekämpfen.

Der Brasilianische Karneval zieht jedes Jahr 6,8 Millionen Touristen an, er bringt dem Land knapp zwei Milliarden Euro ein. Wir dürfen es unter keinen Umständen hinnehmen, dass eines der wichtigsten Feste unseres Landes auf Kosten der Kinder gefeiert wird.

 

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