Eine Frau, die die Welt verändert hat

Vor ein paar Wochen, am 8. März, war Weltfrauentag und gleichzeitig Tsering Dolkar aus Indienhaben mein Mann und ich unseren 27. Hochzeitstag gefeiert.  Wir feierten mit Kollegen und abends mit Freunden, und immer wieder kam das Gespräch auf die Frauen – dass sie wunderbare Wesen sind, ihre Schönheit in ihrer Verletzlichkeit liegt und zugleich in ihrer Stärke. Frauen haben die Kraft, Dinge zu verändern.

Kinderdorfmutter

In 30 Jahren war Tulsi Parihar Mutter für 33 Kinder im SOS-Kinderdorf Bhimtal.

Als ich mich heute hinsetzte, um diesen Text zu schreiben, kamen mir viele meiner Freundinnen in den Sinn. Sie haben alle einen unterschiedlichen Lebensstandard, einige sind hocherfolgreich in der Wirtschaft und gut situiert, manche sind der gehobenen Mittelklasse zuzuordnen, andere leben in bescheideneren Verhältnissen. Jede von ihnen hatte in ihrem Leben das eine oder andere Problem zu bewältigen. Die meisten sind verheiratet, haben ein oder zwei Kinder. Über ein drittes Kind wagt heutzutage kaum noch jemand nachzudenken.

Unwillkürlich fielen mir unsere SOS-Mütter ein. Frauen wie Tulsi Parihar, die nun schon seit über 30 Jahren Mutter im SOS-Kinderdorf Bhimtal im Norden Indiens ist. Es mag sein, dass viele von euch eher an Aktivistinnen und Managerinnen denken, wenn von der Kraft der Frauen die Rede ist, und da gibt es eine Menge großartiger Frauen! Aber Mütter wie Tulsi gehören für mich auch dazu. Ich erzähle euch, warum:

SOS-Familie

Tulsi Parihar mit ihrer SOS-Familie im SOS-Kinderdorf. Ihre langjährige Erfahrung lässt sie gelassen sein.

Tulsi Parihat heiratete, als sie 19 war. Sie zog mit ihrem Mann zu dessen Familie auf dem Land, wo sie ein zufriedenes Leben führte. Doch als nach drei Jahren ihr Mann starb, lehnten ihre Schwiegereltern es ab, sie weiter zu beherbergen. Tulsi zog zurück zu ihren Eltern, aber als junge Witwe hatte sie in Indien ein schweres Leben. Sie hätte gerne studiert, aber dafür war kein Geld da. Ohne Ausbildung war es gleichzeitig schwierig, einen Job zu finden. Als sie von den SOS-Kinderdörfern hörte, war sie wie elektrisiert: Es schien ihr ein Ort zu sein, an dem es ihr selbst gut gehen würde und sie ihrerseits für Kinder da sein könnte.

Tulsi wurde genommen und in der SOS-Mütterschule in Delhi auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet. Bald wurde sie Mutter auf Lebenszeit. Bis heute sind 33 Kinder bei ihr aufgewachsen, Schwiegertöchter und- söhne kamen hinzu und viele Enkelkinder. Sie wirkt zufrieden. Gefragt nach ihrer größten Herausforderung, erzählt sie, dass sie es früher schwierig gefunden habe, mit Jugendlichen in der Pubertät umzugehen, manchmal auch mit Kindern, die neu kamen. Sie lacht und sagt: „Das ist schon lange nicht mehr so. Ich habe viel gelernt im Alltag mit den Kindern, auch durch die vielen Weiterbildungen und Unterstützung meiner Kollegen.“ Ihr größter Erfolg sei, dass jedes ihrer erwachsenen Kinder im Leben angekommen sei, auf eigenen Füßen stehe, ein gutes Leben führe.

In zwei Jahren wird Tulsi Parihar in Rente gehen. Ich ziehe den Hut vor dieser starken Frau, die all ihren Kindern so viel mitgegeben hat. Jedes Einzelne wird seinen Beitrag in der Gesellschaft leisten. Frauen die die Welt verändern? Tulsi Parihar ist eine von ihnen.

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