Anton Bakanin und das nördlichste aller Kinderdörfer

Verschneite Bäume

So sieht es bei uns im Winter aus. Foto: Igor Prozorov

Wenn du eine Karte von Russland in die Hand nimmst und dir den NordwestenAnton_MiniPic anschaust, wirst du eine Insel entdecken, die aussieht wie ein Ohr oder ein Schwanz, der an Skandinavien hängt: die Kola-Halbinsel. Wenn du Glück hast, ist ganz im Süden, direkt am Meer, der Ort Kandalakscha markiert. Dort sitze ich gerade an meinem Schreibtisch.

Umringt von verschneiten Bergen und endlosen Pinienwäldern ist Kandalakscha die Heimat von 40 000 Menschen. Meine Eltern sind Anfang der 80er-Jahre aus der Mitte des Landes hierher gezogen. Als ich klein war, war das Leben hier alles, was ich kannte und von daher ganz normal für mich. Inzwischen nehme ich meine Heimat ganz bewusst wahr und schätze sie sehr. Auch, wenn das Leben hier langsamer ist als in den großen Städten, habe ich alles, was ich brauche: Meine Familie, eine zusammengewachsene Gemeinschaft mit liebenswürdigen Menschen, den Charme einer Kleinstadt, nicht zu sprechen von der überwältigenden Natur.

Nordlichter über dem Meer

Die Nordlichter über dem Meer        Foto: Igor Prozorov

2003 wurde ein großes Grundstück mitten in Kandalakscha eingezäunt und emsige Bauarbeiten begannen. Die Leute schauten neugierig hinüber, rätselten, was da wohl gebaut würde. „SOS-Kinderdorf“ stand auf einem Schild, das gab noch mehr Rätsel auf.  Ich studierte zu dieser Zeit und kam nur in den Ferien nach Hause. Jedes Mal gab es neue Gerüchte über dieses Dorf, das da entstand. Die einen mutmaßten, es sei eine Art Waisenhaus, andere glaubten, es würde ein Freizeitzentrum. Jedes Mal, wenn ich vorbeifuhr und bald diese kleinen roten Häuser sah, die hier entstanden, schaute ich hinüber und machte mir meine eigenen Gedanken. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich einmal selbst hier arbeiten würde.

SOS-Kinderdorf

Im SOS-Kinderdorf Kandalakscha wachsen Kinder, die ihre Eltern verloren haben, in Familien auf. In Russland ist das sehr ungewöhnlich.

Im September 2010 betrat ich das Büro des Kinderdorfs, in der Hand meine Bewerbung. Es roch nach Kaffee, an den Wänden hingen Bilder von lachenden Kindern. Mein Gespräch mit dem Dorfleiter lief gut und ich bekam den Job! In der nächsten Zeit wurde meine Vorstellung von der Arbeit im Kinderdorf endlich konkret. Damals lebten hier 72 Jungen und Mädchen, deren Eltern sich nicht angemessen um sie kümmern konnten oder die gestorben waren, zusammen mit ihren SOS-Müttern – wie in richtigen Familien. Das haute mich wirklich um. In Russland haben Waisenkinder in der Regel ein hartes Leben, meist wachsen sie in Heimen auf. Erst im Jahr 2010 begann sich die Idee zu verbreiten, dass  Kinder, die ihre Eltern verloren haben, in Pflegefamilien kommen. Das SOS-Kinderdorf unterstützt hier die Behörden mit seiner Erfahrung.

Ich war begeistert vom Kinderdorf und seinem Motto: „Ein liebevolles Zuhause für jedes Kind!“ Einfach, aber wahr. Heute bin ich stolz, Teil des SOS-Teams zu sein, oder besser: Teil der SOS-Familie.

Wenn du mit mir den Norden Russlands entdecken willst, folge mir hier in dem blog „Zuhause in der Welt“! Ich lade dich ein teilzunehmen an unserem Leben.

 

Eine Antwort auf Anton Bakanin und das nördlichste aller Kinderdörfer

  1. Beate sagt:

    Hört sich sehr spannend an! Weiter so!

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