Familie statt Waisenhaus – inspiriert von SOS ändert sich die russische Politik

Vor einiger Zeit erzählte mein Kollege Victor, dass die Zahl der Kinder, die in der Anton_MiniPicMurmansk-Region in staatlichen Heimen leben, in den letzten Jahren um die Hälfte gesunken ist. Wow! Ich habe mich gefreut, das zu hören, zumal SOS nicht unbeteiligt daran ist.

Sieben von zwölf staatlichen Heimen geschlossen

Russlands Wohlfahrtssystem hat sich in den letzten Jahren gravierend geändert – und eine Menge Gutes hervorgebracht. 2013 wurde der Umgang mit Waisenkindern durch den Staat völlig neu geregelt. Die neue Richtlinie legte unter anderem fest, dass die Betreuung in der Familie derjenigen in Institutionen vorzuziehen ist. Vereinfacht ausgedrückt wurden Jungen und Mädchen, die nicht bei ihren Eltern leben können, seit diesem Zeitpunkt wenn möglich in Familien untergebracht anstatt in Heimen.

Zahlreiche Menschen haben seitdem Kinder aufgenommen. Ich selbst habe einige Freunde und Kollegen, die Pflegeeltern geworden sind. Mehr und mehr Waisenhäuser wurden in der Folge geschlossen, weil sie nicht mehr gebraucht wurden. Ich möchte euch nicht mit Zahlen langweilen, aber vielleicht ein Beispiel: Allein in der Murmansk-Region wurden sieben von zwölf staatlichen Heimen geschlossen.

Maria und Familie

Maria und ihre Familie leben dank des SOS-Programms für Pflegefamilien im SOS-Kinderdorf Kandalaksha.

Die SOS-Kinderdörfer haben bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle gespielt. Seit 1996 setzen wir uns dafür ein, dass Kinder in verschiedenen Formen von Familie aufwachsen. Viele der Kernaussagen der neuen russischen Kinderfürsorge-Strategie sind inspiriert oder sogar eins zu eins übernommen von SOS. Unsere Vision „Jedes Kind gehört zu einer Familie“ war plötzlich die offizielle Position der Regierung und wurde Realität auf nationaler Ebene. Gemeinsam haben wir das Leben von Tausenden von Kindern in einem riesigen Land wie Russland damit entscheidend verbessert – ist das nicht atemberaubend?

Unterstützung für Kinder, Eltern und Lehrer

Natürlich wissen wir: Mit der Aufnahme der Kinder ist es nicht getan! SOS Russland unterstützt die Pflegefamilien deshalb mit psychologischem und pädagogischem Know How und praktischer Hilfe. Bereits 2013 haben wir ein entsprechendes Programm ins Leben gerufen. Unter anderem führen wir verpflichtende Kurse für zukünftige Pflegeeltern aus der Region durch und wir unterstützen sie im Alltag mit den Kindern. In Murmansk hat SOS schon vor Jahren ein Zentrum für Pflegeeltern errichtet. Die Jungen und Mädchen selbst laden wir regelmäßig zu Workshops ein, in denen sie Lebenskompetenzen erwerben können oder einfach Spaß haben, Jugendliche aus Pflegefamilien haben die Möglichkeit, in SOS-Jugendhäusern zu wohnen, und schließlich arbeiten wir auch mit den Lehrern vor Ort.

Fünf Pflegefamilien haben sogar die Möglichkeit bekommen, direkt im SOS-Kinderdorf Kandalaksha zu leben. Eine der ersten Familien waren Maria, Alexander, ihre beiden eigenen und vier Pflegekinder. „Auch, wenn wir eigene Kinder hatten, träumten mein Mann ich immer von einer großen Familie“, erzählt Maria. Die Bedingungen im Kinderdorf seien für sie ideal. „Der Umgang miteinander ist herzlich und wir bekommen die beste Unterstützung, die wir uns vorstellen können. Ich bin dankbar für all die tollen Menschen hier. Man kann sagen, dass wir alle wie eine große Familie zusammenleben.“

Ich bin froh und stolz zu sehen, dass es viele Menschen wie Maria in Russland und in der Welt gibt. Sie machen unsere Erde ein Stück besser. Und so, wie sich die Familien um die Kinder kümmern, hilft SOS den Familien. Ich finde, das ist eine großartige Form der Zusammenarbeit!

In meinem nächsten Beitrag möchte ich euch weitere tolle Menschen vorstellen. Ich freu mich, wenn ihr dabei bleibt.

Bitte schreibt mir: Wie sind die Bedingungen für Pflegefamilien bei euch? Ich bin gespannt, mehr zu erfahren.

3 Antworten auf Familie statt Waisenhaus – inspiriert von SOS ändert sich die russische Politik

  1. sos-kinderdoerfer sagt:

    Liebe Elena, mit etwas Verspätung Danke für Deine Frage! Meine Kollegen vom Blog-Team hatten ja netterweise schon geantwortet. Nachdem ich aktuell aus dem Urlaub zurückgekommen bin, hier noch zur Ergänzung: Wir haben in allen Gemeinden Kinderschutz-Abteilungen, die unter anderem dafür zuständig sind, Pflegefamilien zu betreuen. Sie besuchen die Familien regelmäßig und prüfen, ob sich das Kind/die Kinder in der Familie wohl fühlen. Sie stellen auch sicher, dass das Geld, das die Familien vom Staat für ihr Pflegekind bekommen, auch wirklich zum Wohle des Kindes eingesetzt wird.
    Herzliche Grüße, Anton

  2. sos-kinderdoerfer sagt:

    Liebe Elena,
    da Anton zur Zeit im Urlaub ist, stellvertretend die Antwort vom Team: SOS und die Jugendfürsorge arbeiten in Russland eng zusammen und SOS gibt sein Know-how weiter. Darüber hinaus werden auch in Russland die Pflegefamilien begleitet und kontrolliert, um sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht.
    Viele Grüße vom SOS-Team

  3. Elena sagt:

    Lieber Anton! Soweit ich weiß, werden Pflegeeltern bei uns sehr stark durch das Jugendamt kontrolliert. Wie sieht es mit solchen Kontrollen in Russland aus?
    Viele Grüße, Elena

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