„Schon das Wort ‚Familie‘ kann schmerzhaft sein!“

Um Lehrer im Umgang mit Pflegekindern zu unterstützen, bieten wir im SOS-Kinderdorf Kandalaksha seit einigen Jahren Kurse an – mit großem Erfolg.

Rollenspiel

Im Rollenspiel lernen die Lehrer, das Verhalten der Kinder besser zu verstehen.

Als Vater eines Vorschulkindes wünsche ich mir für meinen Sohn, dassAnton_MiniPic die Schule ein sicherer und freundlicher Ort ist. Ich möchte mich darauf verlassen können, dass er dort gut behandelt und unterstützt wird. Welche Eltern wollen das nicht für ihre Kinder?

Im SOS-Kinderdorf sind wir es gewohnt, mit Jungen und Mädchen zusammenzuleben, die die unterschiedlichsten Herausforderungen zu bewältigen haben. Kein Wunder, sie alle sind durch schlimme Zeiten gegangen. Vernachlässigung, Missbrauch und Trennung von den Eltern kann langfristige Auswirkungen auf das Verhalten, die emotionale Stabilität und letztendlich auf die Zukunft der Kinder haben. Wir betreiben viel Aufwand, um die Jungen und Mädchen im Kinderdorf und in den Pflegefamilien, die wir betreuen, dabei zu unterstützen, ihr Trauma zu überwinden. Aber was ist mit den Lehrern in der Schule? Haben sie das nötige Wissen, um richtig mit den Kindern umzugehen?

Igor Vorbjev

SOS-Pädagoge Igor Vorbjev hat das Projekt für Lehrer 2012 ins eben gerufen.

Igor Vorbjev, unser Pädagoge sagt: „Die Jungen und Mädchen aus dem Kinderdorf und aus Pflegefamilien wollen so behandelt werden, wie alle anderen Kinder. Gleichzeitig sind da definitiv Unterschiede und es ist wichtig, dass die Lehrer sich dessen bewusst sind.“ Schon, wenn die Kinder ein Bild ihrer Familie malen sollen oder eine Geschichte über eine glückliche Familie hören, kann das bei ihnen Stress auslösen. Igor erklärt: „Sie haben ihre leiblichen Eltern verloren oder haben schlechte Erinnerungen an sie. Deshalb kann das Wort „Familie“ sehr schmerzhaft sein, besonders in der Eingewöhnungsphase, wenn die Kinder sich noch nicht wirklich zuhause fühlen in ihrer Pflegefamilie oder im SOS-Dorf.“

Die Hand des Lehrers auf der Schulter löste eine heftige Reaktion aus

Als sich die Konflikte in den Schulen häuften und wir immer wieder feststellten, dass die meisten Lehrer wenig psychologisches Wissen mitbrachten, entschieden wir uns, ein pädagogisches Projekt für die lokalen Schulen anzubieten. 2012 ging es los. Igor Vorbjev war der Initiator. Er sagt: „Die Aufgabe der Lehrer ist, weiß Gott, nicht einfach. Wir geben ihnen Hilfestellung. Es ist wichtig, dass sie ein grundlegendes Verständnis von der Situation der Pflegekinder haben, ansonsten laufen sie Gefahr, unbewusst Dinge auszulösen, die weder dem Kind noch seinem Umfeld gut tun.“

Spiele

Wenn SOS-Experten, Lehrer und Pflegeeltern im Team agieren, können sie die Kinder am besten unterstützen.

Igor erzählt das Beispiel eines Lehrers, der ihn um Hilfe bat. Ein Junge war im Unterricht plötzlich aufgesprungen und hatte wüste Schimpfwörter in die Klasse geschrien. „Am nächsten Tag haben wir uns mit dem Jungen unterhalten. Wir fanden heraus, dass er in seiner Ursprungsfamilie körperlich schwer misshandelt worden war. Als der Lehrer ihm nun für eine gute Leistung anerkennend die Hand auf die Schulter gelegt hat, löste die Berührung die heftige Reaktion aus.“ Durch das Gespräch verstand der Lehrer schlagartig und stellte sein Verhalten in Zukunft entsprechend darauf ein.

Bis heute haben bereits 50 Lehrer sowie 20 Pflegefamilien an dem Projekt teilgenommen. Durch gezielte Informationen und in vielen praktischen Übungen lernen die Teilnehmer die zahlreichen Situationen, die sich im Klassenzimmer entwickeln können, besser zu verstehen. Igor sagt: „Aufgrund ihrer traumatischen Erlebnisse in der Vergangenheit reagieren die Kinder vielleicht wütend oder depressiv oder sie haben Lernblockaden. Wenn die Lehrer wissen, dass dies nicht primär mit der aktuellen Situation zusammenhängt, ändert das eine Menge. Das Gute ist, dass sich, wenn wir als Team zusammenarbeiten , fast immer Lösungen finden lassen und die Kinder, wenn sie entsprechend unterstützt werden, wieder Vertrauen finden können. Je besser uns das gelingt, desto größer ist die Chance, dass die Kinder gestärkt in die Zukunft gehen. Sie alle haben ein Recht darauf!“

2 Antworten auf „Schon das Wort ‚Familie‘ kann schmerzhaft sein!“

  1. sos-kinderdoerfer sagt:

    Liebe Sabine Goertz,

    wow! Was für eine Aussage! Ganz, ganz herzlichen Dank für diese spürbare Unterstützung, die uns einmal mehr motiviert, unser Bestes zu geben!
    Anton und das Team der SOS-Kinderdörfer

  2. SABINE GOERTZ sagt:

    Ich hoffe soo sehr, dass ich mein Leben lang genug Geld verdiene um die SOS Kinderdörfer zu unterstützen !! Ihr seid einfach toll. Ich bin mit SOS aufgewachsen denn schon meine Eltern haben die SOS Kinderdörfer zeitlebens unterstützt … und so werde ich es an meine Jungs weitergeben !!!

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