Luftverschmutzung in Delhi: Kinder können nicht zur Schule gehen

Smog

Delhi im Smog: Einen Tag draußen zu verbringen, ist bei der aktuellen Wetterlage wie eine Schachtel Zigaretten zu rauchen.

Luftverschmutzung ist in Delhi ein Riesenthema, besonders im Winter, aber so Tsering_MiniPic2schlimm wie in diesen Tagen war die Situation schon lange nicht mehr. Die Abgase von Autos und Fabriken, der Rauch all der Feuer, mit denen die Menschen rund um Delhi das Stroh auf ihren Feldern verbrennen, egal ob in Haryana im Süden oder in Punjab oben im Norden – alles sammelt sich wie unter einer Glocke über der Stadt. Der Smog brennt in den Augen und lässt ganz Delhi husten.

Für die Kinder ist die Situation besonders schlimm

Während ich hier schreibe, bewegt sich vor meinem Fenster kein Blatt am Baum, es herrscht absolute Windstille. Nach den offiziellen Angaben liegen die Messwerte weit über dem, was für Menschen unbedenklich ist. Es heißt, dass in Delhi einen Tag im Freien zu verbringen aktuell gleichbedeutend damit ist, eine Schachtel Zigaretten zu rauchen. Ich muss an die Pfauen denken, die uns sonst regelmäßig auf der Terrasse besuchen. Wie es ihnen wohl geht? Ich habe sie seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen.

Umweltschutz

Mit verschiedenen Aktionen versuchen wir, bei den Kindern ein Bewusstsein für Umweltschutz zu schaffen.

Gestern musste ich zu einer Konferenz am anderen Ende der Stadt fahren und hatte meine Atemmaske vergessen. Ich wickelte mir den Schal ums Gesicht, aber nach kurzer Zeit musste ich husten. Ich hab keine Idee, wie die Menschen, die draußen arbeiten, die Situation bewältigen: all die Verkehrspolizisten, Rikscha-Fahrer, Straßenbauer.

Für die Kinder ist die Situation besonders schlimm. Damit sie möglichst wenig raus müssen, sind sämtliche Schulen für eine Woche geschlossen, auch Sport- und Freizeitaktivitäten wurden abgesagt. Am 14.November feiern wir in Indien üblicherweise den Kindertag. Für dieses Jahr hatte die Regierung gemeinsam mit Partnern eigentlich

Plakat

Als Kinderhilfsorganisation
sehen wir es auch als unsere Aufgabe an, uns für Umweltschutz stark zu machen.

166 verschiedene Veranstaltungen geplant, auch die SOS-Kinderdörfer wären mit dabei gewesen. Nun musste aufgrund des Smogs alles auf den 19.November verschoben werden. Laut Wetterbericht wird sich die Lage bis dahin verbessern – hoffentlich.

Entweder verliebt – oder in Delhi

Auch im Kinderdorf haben wir verschiedene Maßnahmen ergriffen: Wir versuchen, die Jungen und Mädchen möglichst im Haus zu halten, die Mütter geben ihren  Kindern viel zu trinken. Wer das Haus verlassen muss, trägt eine Atemmaske. Wir sprechen viel mit den Jungen und Mädchen, erklären ihnen die Situation. Auch in anderen Zeiten setzen wir uns für den Umweltschutz ein.

Aber jetzt heißt es erst mal aushalten, bis endlich Wind kommt – und den Humor nicht verlieren. Heute morgen habe ich folgende Nachricht von einer Freundin bekommen: „Atemlosigkeit, Herzklopfen, vernebelter Blick – entweder du bist verliebt oder in Delhi.“

 

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