Um Hilfe zu bitten, ist oft der schwierigste Schritt

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Maria und ihre Familie sind durch schwere Zeiten gegangen. Dass sie diese überwunden haben, ist nicht selbstverständlich.

Anfang 2016 klopfte Maria an die Tür des Büros der SOS-Familienstärkung bei uns Anton_MiniPicim Kinderdorf und sagte leise: „Ich schäme mich, euch um Hilfe zu bitten, aber ohne Unterstützung werden wir nicht überleben.“ Marias Sohn war damals drei Jahre alt und sie war schwanger mit ihrem zweiten Kind. „Wir waren eine glückliche Familie, aber jetzt hat sich alles geändert. Maxim, mein Mann, hat seinen Job verloren und wir kommen kaum über die Runden. Maxim hat angefangen zu trinken, was alles nur noch schlimmer macht – ständig streiten wir und unser Sohn bekommt alles mit. Das Jugendamt hat uns jetzt sogar gedroht, ihn uns wegzunehmen, wenn sich die Situation nicht bessert. Der Gedanke bricht mir das Herz. „

Marias Geschichte ist die Geschichte vieler Familien in Kandalaksha, die aufgrund von Einkommensverlusten, schwierigen Lebenssituationen oder instabilen Beziehungen nicht angemessen für ihre Kinder sorgen können. Die SOS-Familienstärkung bietet ihnen Hilfe an.

Maria erhielt zunächst finanzielle Unterstützung, um ihre Schulden zu begleichen, Essen zu kaufen und die Kindergartenkosten für ihren Sohn decken zu können. Sie trat unserer Schwangerschaftsgruppe bei. Parallel dazu haben wir Maria und Maxim in Erziehungsfragen, im Umgang miteinander oder auch in rechtlichen Dingen beraten und unterstützt. Die Beiden haben an verschiedenen Schulungen teilgenommen. Maria erzählt: „Es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis wir uns erholt haben, aber jetzt sind wir wieder eine glückliche Familie. Maxim ist zu einer Entziehungskur in ein Rehabilitationszentrum gegangen und hat tatsächlich aufgehört zu trinken. Wir streiten nicht mehr. Maxim hat wieder Arbeit und ich kümmere mich um unsere Kinder. Vor nicht langer Zeit brachte ich ein schönes Mädchen zur Welt – unsere Tochter. Wir nannten sie Nadezhda: Hoffnung.“

Um Hilfe zu bitten, ist oft der schwerste Schritt

Meeting

Aksana Ivanova koordiniert die SOS-Familienstärkung. Sie glaubt an das Potential der Menschen.

Bei einer Tasse Tee sprach ich mit Aksana Ivanova, der Projektleiterin der SOS-Familienhilfe.  Aksana erzählte: „Momentan unterstützen wir mehr als 50 Familien mit etwa 90 Kindern. Wir unterstützen kranke, arbeitslose oder auch verunsicherte Eltern, alleinerziehende Mütter sowie schwangere Frauen. Immer mit dem Ziel, dass es den Kindern besser geht. Wir können den Menschen keine magische Pille geben, die alle ihre Probleme löst, aber wir können ihnen Wissen, Kraft und Inspiration geben, damit sie ihre Probleme selbst lösen können.“

Dabei ist der erste Schritt für die Menschen oft der schwierigste: um Hilfe zu bitten. Manchmal braucht es Mut, um sich selbst einzugestehen, dass etwas im Leben schief läuft. Aksana sagt: „Wenn sie anfangen zu reden, sich uns anvertrauen, ist das ein wichtiger Moment. Wir urteilen nicht … wir geben keine Schuld … wir hören nur zu.“

Gemeinsam mit den Familien erstellen geschulte Experten einen individuellen Entwicklungsplan. „Wir helfen ihnen, Möglichkeiten zu erkennen, an die sie zuvor nicht gedacht haben. Wir sind davon überzeugt, dass jeder Mensch über innere Ressourcen verfügt, um mit jedem Problem in seinem Leben umzugehen, er muss nur den Zugang dazu finden.“

Ich persönlich denke, dass Schwierigkeiten im Leben eine wichtige Rolle spielen. Unsere Welt konzentriert sich gewöhnlich auf Erfolge und definiert Herausforderungen als etwas Negatives. Aber wenn du es schaffst, schwierige Situationen zu durchstehen, kann dir das helfen, inne zu halten und bewusster zu werden. Es kann dir helfen, dich auf deine Ziele zu fokussieren, zu erkennen, was wirklich wichtig ist – und schließlich zu einem reiferen Menschen zu werden.

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