Auf Wiedersehen, Laxmi!

Kosmetikladen

Laxmi und ihre Töchter vor ihrem Kosmetikladen. Von den Verdiensten kann die Familie gut leben.

Im Dezember 2017 hatte ich die Gelegenheit, verschiedene Familien zu Tsering_MiniPic2besuchen, die von der SOS-Familienhilfe unterstützt werden, darunter auch Laxmi, ihren Ehemann und ihre fünf Töchter. Die Familie ist kurz davor, auf eigenen Füßen zu stehen.

Als meine Kollegen Laxmi und ihre Familie zum ersten Mal trafen, lebten sie unter schrecklichen Bedingungen: Die Mädchen waren abgemagert und liefen in zerrissenen Kleidern herum, ungekämmt und schmutzig, das Dach des kleinen Hauses leckte, es gab nicht einmal genug Geschirr, um das Essen zuzubereiten.

Über lange Zeit hatten sie sich einigermaßen über Wasser halten können: Laxmis Ehemann hatte in einer Fabrik gearbeitet, Laxmi Gelegenheitsarbeiten im Straßen- oder Hochbau übernommen. Aber nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter wurde Laxmi krank und fiel lange Zeit aus. Verwandte unterstützten die Familie. Als sich Laxmi allmählich erholte, erlitt ihr Mann einen schweren Unfall. Plötzlich war Laxmi alleine verantwortlich. Sie versuchte ihr Bestes, war froh, wenn sie zwei Mahlzeiten am Tag servieren konnte, aber all das war zu viel und entglitt ihr zusehends. Die Familie verlor den Boden.

Ein kleiner Stand mit Kosmetikartikeln war der Beginn von Laxmis Selbständigkeit

Als Laxmis Familie ins Programm der SOS-Familienstärkung aufgenommen wurde, wurde sie als erstes mit Lebensmitteln wie Reis, Mehl, Zucker und Öl versorgt und medizinisch unterstützt. Anschließend stellten meine Kollegen gemeinsam mit der Familie einen Entwicklungsplan auf. Für die Kinder wurden Schulplätze organisiert und Laxmi wurde dabei unterstützt, sich eine Existenz aufzubauen. Sie trat einer unserer Selbsthilfegruppen bei und lernte Wichtiges über Ernährung, Gesundheit, Haushaltsführung, Selbständigkeit, staatliche Unterstützerprogramme, den Umgang mit Geld.

Abschied

Fröhlicher Abschied. Wenn die Familien wieder ohne Hilfe klar kommen, ist unser Ziel erreicht.

Innerhalb von zwei Jahren konnte Laxmi einen kleinen Stand eröffnen, an dem sie Kosmetikartikel verkaufte – der Beginn eines selbständigen Lebens. Ihr Einkommen stieg stetig, sodass sie ihren Stand mit Hilfe ihrer Ersparnisse und eines Kleinkredits der Selbsthilfegruppe nach weiteren zwei Jahren in einen richtigen Laden umwandeln konnte. Auch ihr Ehemann erholte sich und kann inzwischen wieder mitarbeiten, zusammen kommen die Beiden auf ein monatliches Einkommen von 9000 Rand. Davon können sie gut leben.

Während meines Besuchs erzählt mir Laxmi von ihren Verkaufsstrategien: „An Feiertagen wie Diwali (das indische Lichterfest) stelle ich draußen zusätzliche Stände auf. Jeder möchte an diesen Tagen schön aussehen und mein Verdienst ist deutlich höher.“ Die Familie lebt gleich hinter dem Geschäft „in einem Haus, das dem Regen standhält“, betont Laxmi strahlend. Ihr Lächeln wird noch größer, als sie über ihre Töchter spricht: „Die älteren vier kommen gut in der Schule klar. Bald wird auch die Jüngste eingeschult.“

Ich verabschiede mich mit gutem Gefühl. Diese Familie braucht uns nicht mehr!

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